Gehen Sie nicht über Los. Nächste Abfahrt: Quarterlife Crisis!

 

Midlife Crisis? Lächerlich! Viel zu lange hin und so ein Leben ohne Krise lebt sich schließlich auch nicht von selbst. Die Uhr tickt – und das von Anfang an. In ein paar Tagen steht neben der 2 statt einer 5 eine 6. Sechsundzwanzig. Das bedeutet zwar immer noch, dass ich mich in den Zwanzigern befinde, aber es gibt einen wesentlichen Unterschied in der gesellschaftlichen Wahrnehmung. Von da an ist man nämlich nicht mehr Mitte, sondern Ende Zwanzig. Und während man über die Lebensweisen eines Midzwanzigers entweder als äußerst erwachsen und reif, oder aber einfach als jung und lebenslustig urteilt, sieht das mit Ende Zwanzig ganz anders aus.

ernst

Die eine Hälfte in unserem Bekanntenkreis hat die bürgerlichen Tugenden bereits erfüllt (Job, Heirat, Kind, Haus), die andere wankelt noch immer in den Reihen der Auditoria Maxima (Musste trotz Latein in der Schule den Plural googeln – was kann ich eigentlich?) und ist auf der Suche nach Irgendwas, oder eben auf der Suche nach Nichts.

Verzweifelt fängt man an sich zu vergleichen: wo stehe ich? Und am  Ende immer wieder die bittere Feststellung: nicht da, wo ich stehen sollte. Und im schlimmsten Fall irgendwo dazwischen. Die Einen beneidet man um ihren vermeintlich sorglosen Lebensstil und ihre Freiheit, vermutet dahinter aber auch ewige Langzeitstudenten die mit Mitte 30 noch den Putzplan der Studenten-WG jede Woche aufs Neue versuchen ohne Erfolg einzuhalten und in denen schon wieder jemand vergessen hat Klopapier einzukaufen. Die Anderen beneidet man um ihre Sicherheit und ihr perfektes Instagram-Leben an dem scheinbar kein Makel haftet.

In der Galaxie der Lebensphasen hängt man irgendwo in den Sphären zwischen Erwachsen und Jugendlich fest. Es umgibt einen das Gefühl, dass jede noch so winzige und auf den ersten Blick marginale Entscheidung so bedeutungsschwanger ist wie eine Herztransplantation. Der Weg den ich jetzt gehe, lässt sich nicht mehr umkehren. Ganz oder gar nicht. Tschüss jugendlicher Leichtsinn, Hallo Ernst des Lebens!

los

Und wenn wir ehrlich zu uns selbst sind: wir sind 25, sorry, 26 verdammte Jahre auf dieser Welt und haben Nichts erreicht. Vor zehn Jahren haben wir uns ausgemalt, wo wir heute stehen. Und wir sitzen immer noch im Knast von Monopoly und können einfach nicht über LOS gehen. Die große Karriere nach dem Studium ist entweder noch nicht zu erkennen oder so weit entfernt, dass wir Angst davor haben die Uni zu verlassen. Gestern erschien doch alles noch so sinnvoll. Heute wissen wir nicht mehr wer wir sind.

„I won’t stop looking at others
Thinking that’s where I should be
I’m trying to enjoy myself, love myself
Who the fuck is myself?”

singen IDER in ihrem Song “You’ve got your whole life ahead of you Baby”.

Aber es ist okay. Wir werden einfach alt. Und wir haben noch unser ganzes Leben vor uns, Baby.

Wir sind und werden wunderbar bleiben. Vielleicht ein bisschen spießiger. Oder eben für immer Klassenclown. Der Wind wird uns treiben. Oder wir treiben es.

Ich habe mir zum Geburtstag eine Heißluftfritteuse gewünscht.  Und lege trotzdem Wert auf eine gut gefüllte Hausbar.

Ider – You’ve got your whole life ahead of you, Baby