1. Aufwachen
Guten Morgen, es ist der 25. September 2017 und die gestrige Bundestagswahl war leider kein Traum. Es ist Zeit Aufzuwachen. Auch in Deutschland macht der Rechtsruck, den uns andere Europäische Länder vorgezeigt haben, keinen Halt. Jeder von uns klammerte sich wohl nach an diesen kleinen Ast der Hoffnung, auf dem die Vernunft der Menschen einen Einzug einer rechten Partei in den deutschen Bundestag verhindern würde. Das dies ein Ding der Unmöglichkeit sei. Wir haben uns leider geirrt – Nichts scheint unmöglich zu sein. Ein Satz, der von nun an auch einen bitteren Beigeschmack trägt. Was bleibt, ist eine Realität, der wir uns zumindest für die nächsten vier Jahre stellen müssen. Aber dahinter verbirgt sich auch eine Chance: Mehr denn je können wir beweisen, dass rechter Populismus kein Bestandteil unseres Landes bleiben darf.
Aufwachen und die Herausforderung akzeptieren. Hold my beer!
2. Politisch werden
Von nun an sollte auch dem letzten politikverdrossenen Stubenhocker klar geworden sein, dass „Nichtstun“ und „Desinteresse“ durchaus schwerwiegende Folgen haben. Es wird Zeit seine eigene Komfortzone zu verlassen, in die im Übrigen längst eingedrungen wurde. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht zwangsläufig sich für die nächste Bürgermeisterwahl aufstellen zu lassen. Politik beginnt viel früher – in deiner Straße, vor deinem Haus, in deiner Stadt, in deiner Stammkneipe.
„Po|li|tik, die – Substantiv, Feminin; 1. [..] auf die Gestaltung des öffentlichen Lebens gerichtetes Handeln von Regierungen, Parlamenten, Parteien, Organisationen, o.Ä.; 2. taktierendes Verhalten, zielgerichtetes Vorgehen“ (Duden, 2017)
3. Vorbilder sein
Mehr denn je müssen wir von nun an Vorbilder sein. Die Erstwähler der nächsten Bundestagswahl (2021) sind heute 14 Jahre alt. Sie wachsen von nun an in einer Realität auf, in der rechtes Gedankengut auf demokratischem Wege ganz selbstverständlich ein Teil der Politik, Meinung und Diskussion und damit Normalität geworden ist. Wir können ihnen zeigen, dass dies ein Fehler war, aus dem wir gelernt haben, dass rechtes Gedankengut kein Teil einer politischen Normalität sein sollte und sie in ein paar Jahren darüber mitentscheiden können. Wir können ihnen eine demokratische Gesellschaft vorleben, in der Farben, Religionen und Kulturen keine Rolle spielen – sondern der Mensch. Dass es egal ist ob dein Nachbar Boateng oder Bernhard heißt und Besitz, Reichtum und Sicherheit nicht durch Willkommenskulte schrumpfen.
4. Unsere Werte festigen
Der Erfolg der AfD darf kein Grund sein unser bisheriges Wertegerüst anzuzweifeln. Er muss vielmehr ein Auslöser dafür sein, es zu festigen und zu stabilisieren. Deutlicher als zuvor kann uns jetzt der Spiegel einer Gesellschaft vorgehalten werden, an der wir kein Interesse haben.
5. Die Situation ernst nehmen
Geben wir es doch zu, wie oft haben wir sie belächelt, wie oft wussten wir bei Reden, Debatten und Äußerungen nicht ob wir weinen oder lachen sollten. Dennoch müssen wir jetzt feststellen, dass Ironisierungen kein Hindernis für politischen Erfolg darstellen. Das Gelächter ist spätestens am gestrigen Abend verblasst und zu einer ernstzunehmenden Situation geworden. Und so sollte es auch bleiben, denn nur ernstzunehmende Gegner motivieren zum Aufbruch…