Besuch auf der Werkstätten:Messe Nürnberg 2019

Dienstag, 26. März 2019 – gemeinsam mit einigen Kolleginnen mache ich mich auf den Weg von Berlin nach Nürnberg. Überschaubare 3 Stunden dauert der Weg im ICE bis zum dortigen Hauptbahnhof. Einchecken ins Hotel, Vortragsprogramm für den nächsten Tag studieren und zusammenstellen. Es ist mein erster Besuch auf der Messe und schnell wird deutlich, dass das Programm durchaus komplex ist: über Podiumsdiskussionen sozialpolitischer Veranstaltungen, Fachvorträge zu den unterschiedlichsten Themen und Bereichen wie des Berufsbildungs- oder Förderbereiches. Aber auch rechtliche, gleichermaßen wie sportliche Angebote und und und..

In Nürnberg selbst ist erst einmal nicht viel von der Messe mitzubekommen, auch die Bahn zum Messegelände verspricht bis hierhin keine Menschenmassen. Auf dem Gelände angekommen offenbaren Fahnen die stattfindende Messe, nebenan der Europatag der CSU – wie ironisch denke ich mir.

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In der Eingangshalle zeigt sich dann doch ein heftig geschäftiges Bild vieler Menschen. Wir lösen uns Tagestickets und schauen uns erst einmal um. Eine halbe Stunde habe ich Zeit, bis die erste Veranstaltung zum Thema „Berufliche Inklusion“ in Zusammenhang mit dem Verein der bayrischen Wirtschaft für mich beginnt. Ich versuche mich an einem ersten kleinen Rundgang durch die Messehalle. Dabei sehe ich Stände, die an Start-Up Unternehmen erinnern, designtechnisch kräftig aufwarten und eben solche, die eher schlichter gestaltet wurden. Neben zahlreichen Eigenprodukten die hier vorgestellt werden, lassen sich auch Vereine, Verbände und Organisationen nicht die Chance nehmen sich zu verkaufen. So kann man sich über die BAG, die diversen LAGs, die Agentur für Arbeit und die Werkstatträte informieren. Zugegeben, in meiner Vorstellung hatte diese Messe größere Ausmaße (1 1/2 Messehallen) angenommen. Ich erfahre jedoch schnell, dass dem tatsächlich mal so war, der Vertrag mit der Nürnberger Messe aber ausläuft und die Messe in der letzten Zeit wohl etwas in die Jahre gekommen sei. Berlin, so sagt man, sei im Gespräch, hier biete sich die Chance für ausgedehntere politische Lobbyarbeit. Nicht verkehrt, denke ich mir. Nach drei Vorträgen und einem weiteren Rundgang durch die Messehallen ist an diesem Tag mein Kopf voll und wir treten den Rückweg ins Hotel an. Um hier gleich wieder zu überlegen, wie es am nächsten Tag weitergehen kann.

Die Dame in der Hotellobby erzählt, wie gerne auch sie immer zur Messe wollte – es bis dato aber nicht geschafft hat. Allgemein fällt unter den BesucherInnen auf, dass abgesehen von Fach- und Führungskräften sowie Werkstattbeschäftigten die Vielfalt der Besucherinnen mannigfaltiger sein könnte. Gut, es ist auch eine Fachmesse. Aber anhand der vielen kreativen Eigenprodukte sicherlich auch für Privatleute durchaus einen Besuch wert.

Auch am zweiten Tag entscheide ich mich für drei Vorträge, darunter eine Podiumsdiskussion und einen zum Thema Kennzahlen in der Sozialen Arbeit einer Werkstatt – ein für mich brisantes Thema. Aber ich wähle bewusst auch einen in „Leichter Sprache“ deklarierten Vortrag aus, um zu schauen, wie sich dieser in der Praxis gestaltet. Insgesamt ist mein Eindruck der Fachvorträge durchwachsen, so muss man aber auch bedenken, dass in ein bis zwei Stunden tatsächlich tiefgründige Auseinandersetzungen eher ein Ding der Unmöglichkeit sind. Vielmehr als Anreize, Denkanstöße und Erinnerungensblitze können diese Vorträge also nicht bei mir hervorrufen.

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Immer wieder sitze ich in den Reihen und denke über die Leitlinie „Nichts über uns ohne uns“ nach. Das verwirklicht die Messe in Ansätzen, etwa durch die Teilnahme des Vorsitzenden der Werkstatträte Deutschland bei einer gemeinsamen Runde mit Jürgen Dusel und anderen Polit- und Fachgesichtern. Auch in den mit „Leichter Sprache“ gekennzeichneten Vorträgen scheint es entsprechende Unterstützung zu geben. Aber die selbe Einbeziehung wäre sicherlich in mehr Vorträgen möglich, aber auch nicht in allen notwendig gewesen.

Fachmessen sind und bleiben natürlich auch Kontaktbörsen, Begegnungsstätten und Erlebnisse. Die Visitenkarte ist also ständig greifbar und wird fleißig an entsprechende Neukontakte verteilt. Gimmicks wie ein Fußballcourt, Tischtennisspiele mit dem Deutschen Meister des Behindertensportbundes oder interaktive Programme werden dem gerecht.

Insgesamt steige ich zufrieden, nicht überwältigt in den ICE zurück nach Berlin ein. Eine Messe, die ich gerne wieder, nicht aber jedes Jahr besuchen muss. Ich wünsche mir, dass ein Neubeginn tatsächlich die Anzahl der Fürsprecherinnen und die Lobby der Menschen mit Behinderungen beflügeln kann. Und das die austragenden Städte gemeinsam daran arbeiten, die dort in Fachvorträgen und Diskussionen bearbeiteten Themen auch in die Mitte der dortigen Bevölkerung zu holen. Kontakte zu schaffen, sich zu öffnen und für eine breitere Zielgruppe interessant zu machen.

Wir sehen uns in 2021!