Es ist mal wieder so weit – die Weihnachtsfeiertage sind vorbei und alle warten auf den Jahreswechsel, den großen Abschluss am 31.12.2018. Und wie jedes Jahr sitzt man da und lässt die vergangenen Monate Revue passieren. Wie war das Jahr für mich, was habe ich erlebt, wird es nächstes Jahr besser, kann es nur oder kann es nicht mehr besser werden?
Hier ein kleiner Rückblick von mir.
1. Ich bin privilegiert.
Vielleicht klingt das anmaßend, mit einer Prise Arroganz. Aber wenn ich mir in diesem Jahr über etwas bewusst geworden bin, dann, dass ich im Luxus lebe, dass es mir gut geht und dass ich privilegiert bin. Ich brauche keine Angst zu haben, dass ich am nächsten Tag nicht die Leere in meinem Kühlschrank auffüllen kann. Ich habe ein tolles Zuhause, fahre ein großes Auto, kann mir im Urlaub neue Orte anschauen. Ich kann mir die Dinge die ich mir wünsche selber kaufen. Ich habe Hochschulabschlüsse machen dürfen und habe Zugang zu vermutlich allen wichtigen Dingen im Leben. Einen Porsche und das Haus am See sind natürlich nicht im Budget. Aber dennoch würde ich sagen, dass ich im Luxus lebe. Es fehlt mir an Nichts. Und was darüber hinaus viel wichtiger für mich geworden ist: mein privilegiertes Leben schenkt mir gleichzeitig das Recht und die Pflicht, etwas davon abzugeben. Teilen ist der neue Besitz.
2. Verdammt ich bin Erwachsen – aber deswegen immer noch Kind.
Es ist irgendwie merkwürdig, sich erwachsen zu fühlen. Und oft fühlt es sich auch noch gar nicht danach an. Meine Freunde und ich machen viel von dem gleichen Quatsch wie vor zehn Jahren. Wenn ich in den Spiegel schaue, habe ich mich nicht unbedingt viel verändert. Und doch ist es irgendwo und irgendwann passiert: ich muss einsehen, dass ich erwachsen bin. Erwachsen werden bedeutete häufig für mich Abschied nehmen.
Abschied nehmen von einer wilden und freien Jugend, in der uns scheinbar die ganze Welt in nur einer Nacht gehörte. Abgesehen davon, dass ich mich mit 26 Jahren körperlich gar nicht mehr in der Lage dazu fühle, die ganze Welt in einer Nacht zu erobern oder es mindestens zwei Tage im Anschluss daran bereue, habe ich gleichzeitig gelernt, dass Erwachsenwerden zwar Abschied bedeutet, aber nicht Verlust. Ich werde mich immer weigern, das Kind in mir ewig in den Keller zu sperren. Ich trage es fortan in einem kleinen Rucksack bei mir, nicht immer sichtbar, aber trotzdem stets zum Einsatz bereit.
3. Ich muss und kann Dinge verändern.
Die letzten Jahre waren vor allem von politischen und gesellschaftlichen Prozessen geprägt, die mich emotional ergriffen und begleitet haben. Die mich wütend machten und mir Hoffnung gaben. Ich war schon immer davon überzeugt, dass man bestimmte Dinge nicht einfach hinnehmen darf, weder alleine noch im Großen und Ganzen. Gleichzeitig weigere ich mich vehement, allgemeinen Klauseln wie „Was soll Ich alleine denn da verändern?!“ anzuschließen. Vielleicht ist das auch nichts anderes, als sich versuchen von Schuld und schlec
htem Gewissen zu befreien – ich weiß es nicht. Ich denke aber, dass ich besser damit leben kann, mich mit kleinen Taten an einem Ablass zu versuchen, als weiter nichts zu tun. Das bedeutete in 2018 für mich politisch Gesicht zu zeigen, sprich an Demonstrationen teilzunehmen, Missstände in meinen Texten aufzugreifen, versuchen den eigenen Plastikkonsum einzuschränken, nachhaltiger zu leben. Spenden und selber Spendenaktionen starten. Das klappt natürlich noch nicht perfekt, aber doch etwas besser. Der gelbe Sack ist bei seiner Abholung deutlich geschrumpft, die Betriebskostenabrechnung sorgte nochmal für ein gutes Weihnachtsgeld und ich habe viel Neues gelernt.
4. Ich bin über mich hinaus gewachsen.
Dinge von seiner „Lebens-To-Do-List“ abzuhaken ist ein schönes Gefühl. Seitdem ich 15 bin verfolge ich Poetry Slams, schrieb eigene Texte und träumte davon, sie irgendwann einmal mit anderen Menschen zu teilen. Aber immer kam irgendwas dazwischen, man vergisst seine Wünsche, es gab nicht „die richtigen Gelegenheiten“, man traut sich nicht, man war noch nicht so weit. 2018 war es dann aber endlich so weit. Und aus dem Abhaken dieses Punktes meiner To-Do-List wurde nicht ein, sondern gleich drei Poetry-Slam Auftritte die mich elektrisiert haben. Diese Auftritte stehen mit Sicherheit nur stellvertretend für ganz viele Dinge und Situationen, an denen ich über michch hinausgewachsen bin, in denen ich mich einfach getraut habe ich selbst zu sein. Ein schönes Gefühl.
5. Manchmal muss man Stopp sagen.
Höher, schneller, weiter. Das war vor allem mein bestimmendes Motto in den letzten Jahren. Bloß um kein Semester das Studium verlängern, mit 25 muss der Master feststehen, am liebsten mit Bestnote und Auszeichnung, neuer Job, gut wäre direkt die Weltherrschaft, noch mehr, noch fleißiger, weiter suchen. Auf der Suche zu sein immer mit dem Wissen, dass das nächste Ziel zwar erreicht wird aber nicht zur eigenen Befriedigung beiträgt sondern nur den Staffelstab an das nächstgrößere übergibt kann anstrengend sein. Weil man darüber hinaus vergessen kann, was es sonst noch so an sich zu entdecken gibt, zu sehen und wertzuschätzen wo man hier und heute bereits gelandet ist. Deswegen wurde es Zeit den ins Rollen gebrachten Stein einmal anzuhalten. Was mit Sicherheit auch eine Anstrengung ist. Aber es offenbart ganz viele andere Dinge, die eben auch keinen Stillstand bedeuten.
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen positiven Rückblick auf das vergangene Jahr und einen mutigen Start in 2019.
