Hört auf Euren Kindern Spaß in der Schule zu wünschen! (Ob du es marxt oder nicht)

Es ist früh am Morgen, vielleicht um sechs oder sieben Uhr. Noch eben schnell ein Toast mit Marmelade, die Schultasche gepackt, Jacke anziehen und auf zur Schule. Beim Öffnen der Tür ein herzliches „Tschüss, Viel Spaß in der Schule!“, bevor zumeist ein Acht-Stunden-Tag auch auf die Jüngsten wartet.

Irgendwann wirst du die Schulzeit vermissen haben sie gesagt. Und ich gebe ehrlich zu: Nein, das tue ich definitiv nicht. Maximal die Möglichkeit sich in der Oberstufe selbst Entschuldigungen schreiben zu können lassen bei mir das ein oder andere Tränchen rollen (Wieso gilt diese Regelung nicht auch auf dem Arbeitsmarkt?).

Für die meisten SchülerInnen beginnt der Tag mit vom Schlaf bedeckten Augen in einem Raum mit 20-30 anderen Menschen und einem Erwachsenen. Es wird von einem 45-Minuten-Programm zum nächsten gehechtet, während man Stillsitzen und einen ganzen Tag lang aufmerksam folgen soll. Schließlich ist das oberste Ziel gute Noten zu schreiben, um im Anschluss daran mindestens drei weitere Jahre noch einmal etwas ähnliches zu tun. Die Ellenbogen sind schon blau angelaufen, man darf nur nicht untergehen zwischen den anderen, Leistung zeigen, nach oben kämpfen. Der letzte Gong ertönt noch lange nicht für den Feierabend – Hausaufgaben, Pflichten und irgendwann tatsächlich Freizeit. meinungsfreiheit

Nein, Schule macht keinen Spaß. Das Lernen in solch einem starren und ellbogen-fixierten System macht keinen Spaß.

„Das beste am ganzen Tag, das sind die Pausen“, sangen schon Roy Black und Anita – und hatten damit vollkommen Recht. Spaß machen die Momente zum Luftholen zwischendurch, das Frühstück und die getroffenen Verabredungen für die freie Zeit.

Jeden Morgen werden Millionen Kinder mit den falschen Erwartungen in die Schule geschickt, um dann hoffnungslos enttäuscht zu werden. Was dann auf Unverständnis bei den Eltern stößt.

Kein Bildungsplan irgendeines Bundeslandes sieht Spaß in der Schule vor. Die offiziellen und geheimen Lehrpläne orientieren sich an völlig anderen Dingen. Und gerade in Bezug auf die Ziele einer Politik, einer Gesellschaft an ihre SchülerInnen hat Marx bis heute nicht an Bedeutung verloren. Mit seinem dialektischen und historischem Materialismus lässt sich auch heute noch unser Schulsystem begründen. Auch wenn wir uns von den Begriffen der Arbeiterklasse und Burgeoisie verabschiedet haben. Die Intentionen unserer Pädagogik oder einer schulischen Erziehung sind nichts anderes als das Resultat unserer heutigen Art und Weise zu arbeiten, zu konsumieren. Unsere Lehrpläne und Schulformen sind das Produkt politischer und ökonomischer Interessen (um bei Marx zu bleiben: die herrschende Klasse bestimmt das System!). Das bestätigen für mich auch verzweifelte Aktionen wie zum Beispiel G8. Die Vergesellschaftung und Sozialmachung hat keine Pole-Position inne. Produktive Menschen braucht das Land, um sie dann in einer Siebfunktion an die entsprechenden Plätze weiter zu sanden (Noten und Qualifikationen = Möglichkeiten). Höher, schneller, weiter – produziert! Ob als IT-Fachmann oder Handwerker, produziert so schnell wie möglich!

Macht Euren Kindern keine falschen Hoffnungen. Deswegen dürfen sie dennoch eine schöne Kindheit verbringen. Wünscht ihnen ein leckeres Schulbrot, einen freundlichen Sitznachbarn, einen pünktlichen Bus, keinen Gegenwind auf dem Fahrrad. Wünscht ihm wenig Hausaufgaben und eine tolle Pause.

Ob du marxt oder nicht.

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Übrigens: nach wie vor stammen lediglich 23% der deutschen Hochschulstudenten aus Arbeiterfamilien und studieren womöglich in erster Generation. 77% kommen aus Akademikerfamilien. Arbeiterkind hat Informationen!

Bildquelle: https://sciencefiles.files.wordpress.com/2012/06/meinungsfreiheit.gif