Wir alle wissen darum, dass es gute und weniger gute Vorlesungen und Dozierende an der eigenen Hochschule gibt. Neben zähen und langweiligen Vorlesungen, nur marginal ausgeprägten pädagogischen Fähigkeiten Inhalte auf einem angemessenem Niveau zu vermitteln, gibt es auch immer wieder Ratschläge, Hinweise oder Sätze die wir ganz schnell aus unserem Gedächtnis streichen sollten.
Einer dieser Hinweise begegnete mir ungefähr in der Mitte meines Bachelor-Studiums – ein Streichen aus der Erinnerung blieb bis dato jedoch erfolglos.
In einer Vorlesung brachte uns eine Dozentin näher:
„Stellen Sie sich ein Waschbecken vor, in dem das Wasser überläuft und der Hahn nicht aufhört zu tropfen. Sie sind dafür zuständig, das auf den Boden überlaufende Wasser aufzuwischen. Finden Sie sich damit ab.“
Kurzum: unsere einzige Möglichkeit bestünde in der Schadensregulierung und wäre meilenweit von einer Reparatur des Waschbeckens entfernt.
Das Positive an diesem Satz war, dass er mir unmittelbar nachdem er ausgesprochen wurde sauer aufstieß. Ich hatte alles andere im Sinn, als nach meinem Abschluss die Putzfrau der sozialen Ungleichheit zu sein und genau diese Ansicht hat sich mit diesem Satz immer weiter verfestigt. Es war vermutlich ein großer Anteil an Trotz, der sich in diesem Moment in mir auftat und mich getreu des Mottos „Jetzt erst recht!“ fortan motivieren sollte.
Denn Soziale Arbeit kann soviel mehr, als sich um die Überreste versäumter Gerechtigkeitswege zu kümmern. Sie kann in vielen Fällen zu einer Verbesserung der Lebenssituation von Menschen beitragen, gestalterischen Einfluss auf politische Verhältnisse und gesetzliche Rahmenbedingungen nehmen. Sie kann Tricksen und ihre Stimme erheben, unangenehm und laut werden.
Wir haben die Kraft und die Möglichkeiten das Waschbecken zu reparieren. Und im Notfall? Werde ich Klempner.