Was sich die junge Generation nicht alles anhören muss: Faule Däumelinchens seien sie, an denen die in flammende stehende Welt an ihren MacBooks und Smartphones vorbeizieht. Ihre Werte sollen sie schon längst an den großen Apfel abgegeben haben, statt ein aufrichtiges Miteinander zu pflegen reden sie alle nur über den großen Begriff der Selbstverwirklichung – ja, welche Egomanen wurden da nur in den letzten zwei Jahrzehnten herangezüchtet?
Bücher kennen sie schon lange nicht mehr und statt politisch motiviert Fahnen zu schwenken verbringen sie ihre freie Zeit lieber mit Nichtstun und feiern. Sie reisen um die Welt statt sich ihren bürgerlichen Pflichten der Aus- und Weiterbildung zu widmen – früher wäre das undenkbar gewesen.
Tatsächlich begegne ich diesen Phrasen nicht selten in meinem täglichen Leben. Doch es wird Zeit diesen Phrasen etwas entgegenzusetzen, sich auf die Hinterbeine zu stellen und das Blatt zu wenden.
Zunächst einmal: JA, diese Generation reist um die Welt. Nachdem in einem „Turbo-Abi“ zwölf lange Jahre die Köpfe der Däumelinchens vollgetrichtert wurden mit Informationen, nachdem von ihnen abverlangt wurde im Durchschnitt fast 40 Stunden in der Woche stillzusitzen und brav das Curriculum durchzuackern, aufnahmefähig zu sein und zum richtigen Zeitpunkt das gelernte wieder zu Papier zu bringen, nehmen sie sich einfach „mir-nichts-dir-nichts“ eine Auszeit. Vierzig Stunden – ganz klein sollen sie schon wie die ganz Großen sein.
Doch was passiert bei diesen Reisen? Anders als bei vielen von uns, stehen dahinter nicht zwei Wochen entspannter Strandurlaub in den Hochburgen des Tourismus fernab der landeseigenen Kultur, nein, genau das wollen sie spüren. Das Interesse an unbekannten Lebensstilen, Lebensgefühlen, Kulturen und vor allem anderen Menschen ist bei dieser Generation ungebrochen. Es geht um Begegnungen. Während wir unseren nächsten Souvenirmagneten am Kühlschrank anbringen, bringen sie etwas viel wichtigeres mit nach Hause: interkulturelle Freundschaften. Sie verlassen nicht ihren Urlaubsort, sondern ein zweites zu Hause. Sie haben Freunde auf der ganzen Welt, sie lassen Grenzen verschwinden und stellen das Mensch-Sein in den Fokus. Sie flechten ein Netz um unsere Welt, dass sie womöglich zusammenhalten könnte. Und dieses Netz wird auch durch ihre MacBooks und Smartphones immer dichter.
REIST, LIEBE JUNGE MENSCHEN, VERBÜNDET EUCH.
Sie sind in einem Europa groß geworden, das sie selber erleben durften – mit all seinen Vorzügen und Widrigkeiten. Und während Oma Else sich noch immer darüber beschwert, dass zehn Euro zwanzig Mark gewesen wären, fürchtet sich die jüngere Generation vor einem möglichen Verfall Europas. Nachdem der BREXIT beschlossen wurde, initiierten sie Demos und Veranstaltungen um uns zu zeigen, wie viel eine Einheit wert sein kann. Dafür nutzen sie ihre digitalen Netzwerke, um weitere Mitstreiter für sich zu gewinnen und die eigene Meinung klar darzustellen und um ihren Freunden in aller Welt zu zeigen: wir stehen zusammen.
KÄMPFT, LIEBE JUNGE MENSCHEN, ZEIGT GESICHT!
Heirate, baue ein Haus, pflanze einen Baum, krieg ein Kind. Ja, die liebgewonnenen, alten Werte scheinen längst überholt. Wer will heutzutage schon noch heiraten? Tinder, Snapchat – es geht nicht mehr nur um den oder die „Eine/n“, es geht scheinbar um alle.
Aktuelle Europastudien widerlegen diesen Trend – die jungen Europäer besinnen sich sehr wohl auf traditionelle und konservative Werte, aber auch diese müssen einem Update für die heutige Zeit standhalten können. Wer von Euch hat uns in den letzten Jahren gezeigt, dass die eine, wahre Liebe noch existiert? Wie viele Eltern in unserem Bekanntenkreis haben sich scheiden lassen? Bei aller Liebe – das ist kein Vorwurf. Aber: wo habt ihr den Beweis versteckt, dass Liebe nur für ewig hält, wenn sie auf Papier geschrieben ist?
LIEBT, LIEBE JUNGE MENSCHEN, LIEBT!
Nachdem im Bundestag die Ehe für Alle beschlossen wurde, fiel meine ganze Welt um mich herum in einen bunten Farbtaumel der Freude. Die U25er, sie haben keine Angst davor etwas von ihren Werten an andere, nein, an alle Menschen abgeben zu müssen. Diskriminierung ist für sie derartig surreal, dass die Debatte über so ein Gesetz längst überflüssig und eigentlich nicht der Rede wert war. Und während einige Menschen immernoch darüber diskutieren müssen, ob das Grundgesetz unter einer Ehe tatsächlich auch gleichgeschlechtliche Paare meinen kann, feiern die U25 eine riesengroße Party.
Weil sie es lieben zu feiern, weil sie es lieben beieinander zu sein, bei Menschen jeder Art und jeder Farbe, weil ihre Werte hier und da einen Durchbruch erringen – und wenn das kein Grund zur Freude ist, was dann?
FEIERT, LIEBE JUNGE MENSCHEN, TANZT!
Ihr habt mein vollstes Vertrauen, meine Unterstützung und meine Begeisterung – ihr gründet StartUps und verlasst Komfortzonen, ihr wollt nicht Euch selber retten, sondern die Welt. Ihr schreibt auf Recycling-Papier und soziales Miteinander groß. Ihr verwirklicht Euch selbst, um auch anderen diese Chance zu geben.
Ich verneige mich!