Ein kleiner Vortrag im Rahmen des lebendigen Adventskalenders meines Arbeitsortes – Zusammenkunft mit dem Bürgermeister.
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, liebe Bürgerinnen und Bürger, liebe Jugendliche:
Jugendsozialarbeit – Ist das was oder kann das weg? Das ist sicherlich eine Frage, die sich dem ein oder anderen von uns stellt.
Wenn Sie am Nachmittag oder am Abend an der E***straße entlang gehen, kann man von außen oftmals ein buntes Treiben in unserer Einrichtung beobachten. Zahlreiche Fahrräder stehen vor der Tür, es dröhnt Musik aus geöffneten Fenstern und viele junge Menschen machen es sich im Warmen bequem.
Wozu braucht es da gleich zwei Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagoginnen?
Unsere Aufgabe besteht darin, die Jugendlichen, die zu uns kommen, auf ihrem Weg in die Gesellschaft und bei ihrer Identitätsentwicklung zu begleiten und zu unterstützen. Das wichtigste dabei ist für uns: die Beziehungsarbeit. Sie ist die Basis für alle darauffolgenden Möglichkeiten und Wege, die wir gemeinsam gehen können. Und diese Beziehungsarbeit funktioniert manchmal am besten beim gemeinsamen Kickerspielen.
Unsere Kinder und Jugendlichen kommen zu uns, wenn sie Fragen, Streit oder Probleme haben – wenn Sie einfach mal ein paar Dinge von der Seele lassen wollen oder Rat bei uns suchen. Und dieses Vertrauen entgegengebracht zu bekommen ist vor allem eines: ein großes Geschenk, das keiner Selbstverständlichkeit unterliegt. Gemeinsam versuchen wir dann, Ressourcen zur Bewältigung von Krisen bereitzustellen. Das alles braucht einen wertschätzenden Umgang, der in der Kommunikation zwischen uns als Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagoginnen und den Betroffenen unerlässlich ist. Aber auch die Vermittlung dieser Wertschätzung unter den Jugendlichen selbst ist etwas, dass wir unterstützen und fördern möchten.
Denn Jugendsozialarbeit legt einen ebenso großen Fokus auf das Entgegentreten von Diskriminierung. Jeder junge Mensch – gleich Alter, Nationalität, Religion – ist bei uns herzlich willkommen und soll ein Teil der Jugendclubgemeinschaft werden können.
Sie haben in unseren Räumen die Möglichkeit, ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln, außerhalb anderer Systeme wie Schule oder Familie. In Zeiten einer Gesellschaft, die schneller ausgrenzen kann als man denkt, ist eine derartige soziale Stütze nicht zu unterschätzen.
Unsere Gesellschaft ist gekennzeichnet von Schnelllebigkeit – für manche junge Menschen ist sie zu schnell geworden. Der Leistungsdruck durch Schule und Mitmenschen wird immer größer – für manche unaushaltbar. Mithalten und funktionieren, das ist es oft, was man sich von den jungen Menschen in unserer Gesellschaft erwartet. Dabei wir diesen Erwartungen oft selbst nicht einmal gerecht werden können. Unsere Jugendlichen sind laut und andere leise, zu uns kommen Rebellen und Mitläufer, Kinder aus reichen und armen Elternhäusern, Heranwachsende die auf der Suche nach ihrem Platz in der Welt sind und eben solche, die ihn schon gefunden haben. Starke und schwache Kinder. Jugendliche unterschiedlicher Nationalitäten, Menschen die nicht wissen, was ihnen die Zukunft bringen kann und wieder andere, denen die Zukunft gerade noch viel zu weit weg erscheint.
Die Jugend ist solch eine starke Phase – und wir alle können uns mit Sicherheit noch gut an sie erinnern. Zahlreiche Aufgaben und Anforderungen müssen bewältigt werden, dabei man in dieser Zeit doch noch so viel mit sich selbst zu kämpfen hat.
Abschließen möchte ich mit meinem Plädoyer, all unsere jungen Menschen auf ihrem Weg in die große weite Welt nicht alleine stehen zu lassen. Wir, als Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagoginnen des Jugendclubs *******, nehmen uns dieser Aufgabe täglich an: mit Professionalität und Herzblut.
Rund 33 Stunden in der Woche, von Montag bis Samstag, sind unsere Türen geöffnet. Berücksichtigt sind dabei keinerlei Zeiten der Vor- und Nachbearbeitung, Büroarbeit, Projektplanung, Öffentlichkeitsarbeit usw.
In den stark besuchten Wintermonaten wird in diesen 33 Stunden offener Jugendarbeit unsere Tür durch 300 bis 400 einzelne Kinder und Jugendliche geöffnet.
Wir helfen dabei – rückblickend auf das von mir ausgewählte Lied meiner Jugend – nicht nur die Münze des Glücks entscheiden zu lassen, was aus unseren Jugendlichen und damit unserer Zukunft wird.
Und sollten sie jemandem begegnen, der Jugendsozialarbeit weiterhin für überflüssig hält, schicken wir ihm gerne unsere täglich bis zu 80 Menschen umfassende Großgruppe inklusive unserer pädagogischen Aufgaben und Vorstellungen ins Wohnzimmer nach Hause.
Ich wünsche Ihnen allen eine besinnliche und schöne Weihnachtszeit und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!